| Wie unsere Sprache dem Wandel der Zeit
unterlag und unterliegt, so änderte sich auch die Ortsbezeichnung Weichtungen
in Sprache und Schrift des öfteren:
Uuithtungun Wichtunge Wihtungen Wythtungen Wichtungen Weichtungen Als anerkannten Fachmann auf dem Gebiet der Namensforschung fragten wir Prof. Dr. Norbert Wagner. Er schließt von vorneherein aus, daß die Vorsilbe "Weicht-" etwas mit den Begriffen "weich-", "sumpfig" oder "weiden" zu tun hat. Die Wurzel bzw. der Stamm für "Weich-" könnte mit einiger Wahrscheinlichkeit vom mittelhochdeutschen "wich" abgeleitet werden, was soviel heißt wie: zurückweichen, nachgeben vor etwas bzw. vor jemandem. Das bedeutet, die "Erstsiedler" in dieser Umgebung mieden z. B. die höchsten Erhebungen, um dem rauhen und kalten Wind nicht ausgesetzt zu sein; vielmehr bevorzugten sie Hänge bzw. kleine Hügel in Nähe von Wasseradern. Dadurch hatten sie es nicht weit zu dem für sie lebensnotwendigen Wasser, hatten aber auch gleichzeitig die Möglichkeit, bei Hochwasser wieder auf ihren Hügel "zurückzuweichen". Die landschaftlichen Gegebenheiten lassen eine derartige Schlußfolgerung durchaus zu. Weichtungen, von der Gemarkung "Hoher Markstein" gesehen, läßt eine solche Annahme durchaus verständlich erscheinen. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, daß die Menschen zu dieser Zeit "Siedlungen" nie an feuchten Stellen gründeten, sondern nur dort, wo zwar Wasser vorhanden war, das den "Bewohnern" dennoch nicht gefährlich werden konnte. Die Nachsilbe "-ungen" weist mit Sicherheit auf eine sehr lange Vergangenheit hin. Orte mit derartigen Endungen dürften mit größter Wahrscheinlichkeit von den Thüringern gegründet worden sein, die im 1. Jhd. n. Chr. aus dem Norden das Siedlungsgebiet der Hermanduren gewalttätig in Besitz nahmen bzw. deren Gebiet besiedelten. Da die Thüringer ihrerseits 531 von den Franken, ein westgermanischer Stamm mit dem Kernland um Paris, später auch an Mittel- und Niederrhein, unterjocht wurden, müsste unser Heimatort theoretisch vor dieser Auseinandersetzung urbar gemacht worden sein. Siedlungsnamen, die auf -ing, -ingen, -ungen enden, dokumentieren darüber hinaus, daß der Name einer Sippe zum Ortsnamen wurde. Ortschaften mit -ungen sind vor allem im östlichen Hessen und Thüringen zu Hause. Geschlechtsgenossen siedelten ursprünglich als Nachbarn, als eine "politische" Einheit (Zweckverband), als Gemeinde an. "Wihtungen" könnte sich also so deuten lassen: "Leute, die (wie viel auch immer, z. B. vom höchsten Punkt oder von einer anderen Gefahrenstelle: Wasser ...) zurückgewichen sind. Oder: Leute, die (klimatisch ungünstige Erhebungen und gefahrvolle Standorte) gemieden haben." |
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Eine etwas andere Meinung vertritt Siegfried Rudolf, ein Thüringer Heimatforscher, bei uns im Forum: interessant, was zum Namen eurer Gemeinde bisher rausgefunden wurde, doch muß ich euch sagen: Thüringer haben euren Ort sicher nicht gegründet. Die sind nämlich erst selber im 4. oder 5. Jhd. entstanden aus der Mischung von Hermunduren, Angeln und Wa(r)nen. Typisch thüringer Orte enden auf -stedt oder -leben. Dir -ingen une -ungen-Orte deuten auf ein anderes durchziehendes Volk, auf die Sueben, oder neudeutsch die Schwaben, die aus dem Gebiet der Weichselmündung nach Südwesten zogen. Dabei haben sie natürlich auf ihrer mehr als 150-jährigen Wanderschaft im westlichen Thüringen und östlichen Hessen ihre Spuren hinterlassen, wie auch die Venether (Wetterau = Venethergau???), die Burgunden (Borgentreich) und die Hunen (Hinnenburg), die Marser (Marsberg, Marburg, Marbach) und selbst die Warnen (Warburg). |
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